Unbestritten: Das Internet kann ein sehr problematischer Ort für Kinder sein. Um das zu ändern, gibt es verschiedene Methoden.
Methode 1: Wir machen das Internet zu einem weniger problematischen Ort FÜR ALLE. Dazu bräuchte es natürlich Gesetze. Moment, das haben wir doch schon. Der DSA versucht einige der dringendsten Probleme im Netz zu beheben. Dann müsste der DSA nur noch durchgesetzt werden. Das bedroht allerdings das Geschäftsmodell der US-BigTech-Unternehmen. Das ist den Verantwortlichen dann doch zu heikel.
Methode 2: Die Altersverifikation. Es klingt so einfach: Wenn Instagram und TikTok via (absolut unzuverlässigem) Gesichtsscan oder Identifikation über ein Ausweisdokument die Volljährigkeit eines Nutzers bestätigen, dann ist es voll ok, wenn dieser Enthauptungsvideos und Gewaltpornografie ausgespielt bekommt.
Falsch.
Methoden der Altersverifikation sind keine Werkzeuge um Kindern und Jugendlichen den Zugang zu bestimmten Inhalten zu sperren. Es sind stattdessen Werkzeuge, um Kindern und Jugendlichen die Verwendung von VPNs beizubringen.
Cory Doctorow schreibt dazu:
Those tech industry insiders are fully aware that an „age verification“ mandate is really a way for the government to teach every child how to use a VPN. They’re also fully aware that the next move is to ban VPNs.
Die Nutzung von VPNs ist der Werbeindustrie und den Überwachungsbehörden schon lange ein Dorn im Auge, da sie ein gewisses Maß an Anonymität beim Surfen gewährleisten. Der nächste Schritt ist dann die Feststellung, dass VPNs das Problem sind, also müssen VPNs verboten werden.
„Age verification“ means that everyone who does anything online will have to submit to fine-grained tracking and recording of all their online activities. This nightmare is the surveillance advertising industry’s fondest dream, a world where it’s literally illegal to avoid their tracking.
Es gibt zwei Modelle des Internets: Die chinesische Variante setzt auf Abschottung und Totalüberwachung. Der Rest der Welt nutzt ein offenes Internet mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren. Solange wir beim Modell „offenes Netz“ bleiben, wird es trotz aller Maßnahmen immer irgendwo problematische Inhalte geben. Die Lösung dafür ist Methode 3.
Methode 3: Digitale Kompetenz für Eltern und Kinder.
Lisa M. Given schrieb 2024 in einem Beitrag:
Appropriate social media use requires critical thinking and digital literacy skills – not only for children, but for parents and other caregivers. Government investment in educating parents and other caregivers on social media tools and safety practices would ensure families are well equipped to navigate our ever-changing social media landscape.
Das würde aber voraussetzen, dass sich erstmal Eltern schlau machen und danach die richtigen Gespräche mit ihren Kindern führen würden. Also so etwas wie eine gute, zeitgemäße Erziehung. Aber das ist wahrscheinlich zu viel verlangt. Da ist Totalüberwachung dann wohl das wahrscheinlichere Szenario.