KUBlog
EU geht endlich gegen Meta vor
Das Gesetz über digitale Dienste (DSA – Digital Services Act) ist eine Verordnung auf EU-Ebene, welche die Rechte von Nutzern digitaler Produkte stärkt. Ein konkreter Anwendungsbereich sind sogenannte „dark patterns“, das sind manipulative Designelemente, die zum Nachteil des Nutzers eingesetzt werden.
Beiträge werden sowohl bei Facebook als auch bei Instagram als sogenannter Feed angezeigt. Aktuell bestimmt ein Algorithmus auf Basis persönlicher Daten, was in diesen Feeds angezeigt wird. Es gibt keine Möglichkeit eine andere Methode auszuwählen, die nicht auf der Auswertung personalisierter Daten basiert. Ein Beispiel dafür wäre die Anzeige der Beiträge von selbst ausgewählten Profilen in chronologischer Reihenfolge.
Das Fehlen einer Auswahlmöglichkeit ist ein illegales „dark pattern“. Die zuständigen Behörden haben inzwischen eine Untersuchung der Meta-Produkte gestartet.
The investigation builds on complaints compiled by the regulator, which led CnaM to suspect that the company is using prohibited “dark patterns” to prevent users from exercising a right grant under the Act to choose a recommender system that is not based on profiling.
Nach dem Inkrafttreten des DSA passierte erst eine ganze Zeit lang gar nichts, was frustrierend für die digitale Gesellschaft war. Inzwischen laufen Untersuchungen zu digitalen Produkten von TikTok, LinkedIn, X und Shein. Die erste Strafe in Höhe von 120 Millionen € wurde letzten Dezember gegen X verhängt.
Das Zeitalter der Extraktion
Im Kapitalismus verdiente man Geld, indem man durch Produkte und Dienstleistungen einen Mehrwert für Kunden bereit stellte. Heute ist es viel lukrativer, durch Abzocke möglichst viel Geld von anderen zu extrahieren. Hier einige Meldungen aus den letzten Tagen:
- Überwachungspreisgestaltung: wenn du zu einer Beerdigung fliegen willst, dann weiß das die Fluggesellschaft und verlangt von dir einen besonders hohen Preis für das Ticket, weil Nicht-Fliegen keine Option ist.
- Preistreiberei: Amazon sorgt dafür, dass die Preise auf ALLEN Verkaufsportalen steigen
- Gewinnbeteiligung beim Betrug: 10% vom Jahresgewinn Metas (Facebook, Instagram) stammt von Werbung für Betrugsmaschen. Meta lässt das weiter laufen, weil die zu erwartenden Strafen geringer ausfallen als die erwarteten Gewinne.
- Den guten Ruf anderer zu Geld machen: Nach einer Firmenübernahme wird die Qualität eines Produktes radikal reduziert aber zum gleichen Preis verkauft. Ein Rucksack, der bisher 20 Jahre durchhielt, macht jetzt nach 2 Jahren schlapp.
Die Beispiel oben zeigen, dass es hier nicht um kleine Betrüger geht. Einige der weltweit erfolgreichsten Firmen betreiben Gewinnmaximierung durch Extraktion. In den USA wurde sogar ein Crypto-Scammer zum Präsidenten gewählt.
Diese Geschäftsmodelle sind nur möglich, weil die Gesetzgeber es zulassen. Es ist höchste Zeit für eine radikale Regulierung, für ein Verbot schädlicher Geschäftsmodelle und für die Zerschlagung von betrügerischen Unternehmen.
Wie Google das freie Internet zerstört
Ein Beitrag auf workgpt.com weist auf die Anmeldung eines Patents durch Google hin.
Google Search zeigte früher Webseiten an, die der Suchanfrage des Nutzers mehr oder weniger entsprechen. Daran hat sich über die Jahre viel geändert, heute stehen Werbeanzeigen und KI-generierte Inhalte im Vordergrund. Aber es gibt sie noch, die Links zu den externen Seiten.
Dass die Nutzer an dieser Stelle die Möglichkeit haben, die Angebote von Google zu verlassen, scheint dem US-Monopolisten ein Dorn im Auge zu sein. Im Patent US 12,536,233 B1 stellt Google eine Methode vor, bei der Nutzer nicht mehr zu der externen Webseite, sondern zu einem KI-generierten Clone weitergeleitet werden. Nutzer werden noch weiter im Google-Ökosystem eingesperrt und externe Webseiten werden nur noch von Bots besucht, um Inhalte zu stehlen. Aufrufe durch Menschen finden nicht mehr statt, das sogenannte „freie Internet“ ist dann tot.
Was daraus folgt
Wenn man Kameras aufstellt, um Kriminelle zu identifizieren, dann werden ALLE überwacht. Das nennt man dann einen Überwachungsstaat.
Wenn man Altersverifikationen einrichtet, um Kindern den Zugang zu sozialen Medien zu erschweren, dann müssen sich ALLE identifizieren. Das ist dann das Ende des freien Internets.
Wenn man die Chatkontrolle verpflichtend macht, um das Teilen von CSAM zu verhindern, dann kann KEINER mehr privat kommunizieren. Das nennt man dann das Ende der Privatsphäre.
Bitte denkt bei jeder Forderung der Regierenden an die Folgen, die Maßnahmen für UNS ALLE bedeuten.
Das KI-Geschäftsmodell
Beim Goldrausch verdienten nur die Verkäufer von Schaufeln Geld. Ähnlich sieht es beim aktuellen KI-Hype aus: Geld verdienen nur die Hersteller von Hardware und die Betreiber von Rechenzentren. Durch den Einsatz von KI selbst verdient fast niemand Geld.
Big Tech verbrennt besonders viel Geld im Rennen um die Monopolstellung auf dem KI-Markt.
Wenig überraschend hat Alphabet (Google) mit seinem KI-Produkt Gemini gerade gute Chance, sich von den anderen abzusetzen. Sie haben das nötige Geld, stellen ihre eigene Hardware her und können ihre KI auf all den Daten trainieren, die sie über uns alle in den letzten zwei Jahrzehnten gesammelt haben.
Eine Monopolstellung ist ja schon mal eine gute Ausgangsposition für Geschäftserfolg. Aber was tun, wenn mögliche Kunden keinen Mehrwert in KI sehen und nicht bereit sind, für das Produkt Geld auszugeben? Dann zwingt man sie eben zur Nutzung, indem man KI-Funktionen tief in die Betriebssysteme integriert, ohne die all unsere schönen, elektronischen Geräte nicht funktionieren würden.
Der Werbevermarkter Google stellte kürzlich seine neuste Idee vor, wie man mit dem Einsatz von KI am Endkunden Geld verdienen kann. Weil Internetnutzer scheinbar nicht richtig onlineshoppen (zu wenig? die falschen Produkte?), können Betreiber von Webshops der Kundschaft einen „virtuellen Verkäufer“ zur Seite stellen.
Google hat dafür einen Standard (UCP = Universal Commerce Protocol) entwickelt. Wie es der Zufall wird, kann der „Verkaufsassistent“ über Google Ads dazu animiert werden, das Produkt des Meistbietenden ganz vorne im Regal einzuräumen.
As shoppers turn to AI for discovery, retailers need smarter ways to deliver value. That’s why we’re continuing to test ads in AI Mode and we’re now introducing Direct Offers. This new Google Ads pilot allows advertisers to present exclusive offers for shoppers who are ready to buy — like a special 20% off discount — directly in AI Mode.
Schöne neue Welt.
Der vollständige Kontrollverlust
Aus aktuellem Anlass erläutere ich nochmal, wie Werbung im Internet funktioniert.
Wenn ihr eine Webseite aufruft, dann werden Werbeplätze innerhalb von Millisekunden an den Meistbietenden versteigert (real-time bidding). Da bieten Hunderte von Werbetreibenden mit. Und damit die wissen, wieviel eure Aufmerksamkeit wert ist, schickt der Werbevermarkter (meist Google) eure „Profile“ an alle Mitbietenden. Inklusive all der schönen Daten, die er von euch gesammelt hat (Wohnort, Lebenspartner, sexuelle Vorlieben, you name it). Wenn ihr euch nicht davor schützt, landen eure Daten bei jedem Webseitenaufruf bei hunderten von… interessierten Parteien, die ihr nicht kennt.
Das ist der vollständige Kontrollverlust über eure Daten.
Hier nochmal im Detail:
A key vulnerability of real-time bidding is that while only one advertiser wins the auction, all participants receive data about the person who would see their ad. As a result, anyone posing as an ad buyer can access a stream of sensitive data about billions of individuals a day.