KUBlog
Wenn Bots mit Bots sprechen
Ein Zukunftsszenario für das Internet: Inhalte, die von Bots generiert werden und danach nur von Bots abgerufen werden. Menschen machen dann etwas anderes. Vielleicht treffen sie sich mit Freunden oder gehen im Wald spazieren.
Für das Geschäftsmodell vieler Unternehmen stellt das ein Problem dar. Bereits letztes Jahr machte ein Mann Schlagzeilen, der KI-generierte Songs auf Spotify veröffentlichte und von Bots millionenfach abrufen ließ.
Jetzt berichtet Emanuel Maiberg von 404media von „Synthetic Influencers“. Der Anbieter Doublespeed bietet als Dienstleistung virtuelle Nutzer auf Social Media Plattformen an.
Durch den Einsatz von KI werden diese nicht von der Boterkennung enttarnt. Kunden von Doublespeed zahlen vierstellige Monatsbeiträge, um die Likes, Reposts und Kommentare der „Synthetic Influencers“ für eigene Projekte einzusetzen. Erfolgreiches Botverhalten wird durch die KI erkannt und weiterentwickelt.
“Winners get cloned, not repeated. Take proven content and spawn variation. Different hooks, formats, lengths. Each unique enough to avoid suppression,” the site says.
Eine weitere Verschärfung von Sturgeons Gesetz.
Sturgeons Gesetz […] ist eine Hypothese, die auf der Offenbarung […] beruht, laut der knapp 90 Prozent von allem Mist sei (englisch: ninety percent of everything is crap).
Durch das Internet wurde der Wert auf 99 Prozent erhöht, durch KI auf 99,98 Prozent.
Wir treffen uns dann beim Waldspaziergang.
Killswitch
Cory Dotorow weist in einem Beitrag noch einmal darauf hin, dass die Technologiekonzerne in den USA ihren Kunden auf Zuruf der Trump-Administration den Zugang zu Produkten und Dienstleistungen sperren.
When Trump denounced Karim Khan, the Chief Prosecutor of the International Criminal Court, for indicting Netanyahu for genocide, Microsoft obliged by nuking Khan’s email, documents, calendar and contacts
Das ist besorgniserregend, da weltweit ein großer Teil der digitalen Infrastruktur auf den Produkten US-amerikanischer Dienstleister aufbaut. Und der Irre in Washington kann jederzeit mit seinem Killswitch das Licht ausmachen.
Europa muss sich auf Erpressungsversuche durch die Trump-Administration vorbereiten. Höchste Zeit für digitale Unabhängigkeit.
Massenüberwachung digital
Die Digitalisierung eröffnet Staaten viele Möglichkeiten bei der Überwachung der eigenen Bürger. Zum Beispiel können die digitalen Aufnahmen moderner Überwachungskameras zentral zusammengeführt und mit digitalen Werkzeugen ausgewertet werden.
Die Gesellschaft für Freiheitsrechte warnt in einem Blogbeitrag davor, dass die Bundesregierung die digitale Überwachung der deutschen Bevölkerung weiter vorantreibt.
Bereits bestehende Pläne, die Aufnahmen von Überwachungskameras mit Gesichtsdatenbanken abzugleichen, widersprechen europäischem Recht.
Um den biometrischen Abgleich mit Bildern aus dem Internet wie vorgesehen durchzuführen, müssen ausnahmslos Datenbanken zur Gesichtserkennung genutzt werden. Damit ist ein solches Gesetz europarechtswidrig und zum Scheitern verurteilt.
Auch der Einsatz der Software Palantir ist mit den Grundsätzen eines liberalen Rechtsstaates nicht vereinbar.
Internet-Scans nach Gesichtern und Palantir bringen uns nicht mehr Sicherheit – sie sind ein Angriff auf unsere Grundrechte und ein Schritt in den Überwachungsstaat. Das dürfen wir nicht akzeptieren.
Zahlt hier jemand mit Apple Pay?
Luke Goldstein schriebt für Jacobin über Großkonzerne, die als unregulierte Bank zum Teil deutlich mehr Geld verdienen, als mit ihrem „Kerngeschäft“.
Nutzer solcher Finanzdienstleistungen sind sich meist nicht über das Problem für die eigene Privatsphäre bewusst.
[…] users’ financial information is one of the last remaining frontiers for data privacy. That’s because sensitive financial data, unlike online shopping patterns or location tracking, has typically been well protected at tightly regulated banking institutions.
By running payment networks, Google, Meta, and Amazon have a God’s-eye view into financial transactions that take place not just on their own platforms but across others when users pay with their digital wallets.
Brasilien hat ein sehr erfolgreiches, digitales Zahlungssystem namens PIX eingeführt. Das gefällt den USA unter anderem deswegen nicht, weil sie über diese Finanztransaktionen keine Daten mehr sammeln können.
U.S. trade authorities also say that, by protecting consumer data that PIX collects, the Brazilian government is hurting American companies that use such information to make business decisions and develop new products.
Jeder, der Apple Pay, Google Pay, Amazon Pay oder die Kreditkarte seiner Tankstelle verwendet, sollte sich bewusst machen, dass diese Dienstleister persönliche Daten zur eigenen Gewinnmaximierung verwenden, weiterverkaufen und am Ende zum Nachteil der eigenen Nutzer verwenden.
Verzerrte Wirklichkeit und die Berichterstattung darüber
Mike Masnick analysiert in einem Beitrag für techdirt die Wirklichkeitsauffassung der Reality-TV-Berühmtheit Donald Trump und kritisiert die Feigheit der Medien, darüber zu berichten.
Donald Trump fällt seine Entscheidungen anscheinend auf der Basis von veralteten Fernsehberichten und den Lügen seiner Berater:
It reveals a president who is either completely detached from reality, easily manipulated by advisors feeding him false information, or being deliberately deceived by old Fox News footage […] . It raises fundamental questions about who is actually running the country and whether the person with access to nuclear codes can distinguish between television clips from five years ago and reality.
Masnick identifiziert die Berichterstattung der „Mainstream“-Medien als das noch größere Problem. Der Sender NBC berichtete nicht über diese Art der Entscheidungsfindung. Ein Fall von journalistischer Feigheit.
NBC’s failure to see the story in this is journalistic malpractice of the highest order. When the President admits he can’t tell the difference between Fox News b-roll and reality, that’s not a throwaway line – it’s the story.
Mit dieser Art der Berichterstattung verspielt Journalismus Vertrauen.
Bitte keine KI-Bilder
Google sammelt persönliche Daten ihrer Nutzer unter anderem mit der hauseigenen Suchmaschine Google Search. Dieses Produkt erlangte dadurch traurige Berühmtheit, dass die Verantwortlichen die Qualität der Suchergebnisse absichtlich verringerten, um den Gewinn zu maximieren.
Andere Suchmaschinen versuchen hingegen, ihr Angebot laufend zu verbessern. DuckDuckGo ermöglicht Nutzern jetzt, KI-generierte Bilder aus den Suchergebnissen auszuschließen.
KI-generierte Bilder sind nicht grundsätzlich negativ negativ zu bewerten. Allerdings wollen manche Nutzer des Internets nicht ungefragt mit dem Dreck konfrontiert werden.