Kai-Uwe Makowski

KUBlog

Zahlt hier jemand mit Apple Pay?

Luke Goldstein schriebt für Jacobin über Großkonzerne, die als unregulierte Bank zum Teil deutlich mehr Geld verdienen, als mit ihrem „Kerngeschäft“.

Nutzer solcher Finanzdienstleistungen sind sich meist nicht über das Problem für die eigene Privatsphäre bewusst.

[…] users’ financial information is one of the last remaining frontiers for data privacy. That’s because sensitive financial data, unlike online shopping patterns or location tracking, has typically been well protected at tightly regulated banking institutions.
By running payment networks, Google, Meta, and Amazon have a God’s-eye view into financial transactions that take place not just on their own platforms but across others when users pay with their digital wallets.

Brasilien hat ein sehr erfolgreiches, digitales Zahlungssystem namens PIX eingeführt. Das gefällt den USA unter anderem deswegen nicht, weil sie über diese Finanztransaktionen keine Daten mehr sammeln können.

U.S. trade authorities also say that, by protecting consumer data that PIX collects, the Brazilian government is hurting American companies that use such information to make business decisions and develop new products.

Jeder, der Apple Pay, Google Pay, Amazon Pay oder die Kreditkarte seiner Tankstelle verwendet, sollte sich bewusst machen, dass diese Dienstleister persönliche Daten zur eigenen Gewinnmaximierung verwenden, weiterverkaufen und am Ende zum Nachteil der eigenen Nutzer verwenden.

Verzerrte Wirklichkeit und die Berichterstattung darüber

Mike Masnick analysiert in einem Beitrag für techdirt die Wirklichkeitsauffassung der Reality-TV-Berühmtheit Donald Trump und kritisiert die Feigheit der Medien, darüber zu berichten.

Donald Trump fällt seine Entscheidungen anscheinend auf der Basis von veralteten Fernsehberichten und den Lügen seiner Berater:

It reveals a president who is either completely detached from reality, easily manipulated by advisors feeding him false information, or being deliberately deceived by old Fox News footage […] . It raises fundamental questions about who is actually running the country and whether the person with access to nuclear codes can distinguish between television clips from five years ago and reality.

Masnick identifiziert die Berichterstattung der „Mainstream“-Medien als das noch größere Problem. Der Sender NBC berichtete nicht über diese Art der Entscheidungsfindung. Ein Fall von journalistischer Feigheit.

NBC’s failure to see the story in this is journalistic malpractice of the highest order. When the President admits he can’t tell the difference between Fox News b-roll and reality, that’s not a throwaway line – it’s the story.

Mit dieser Art der Berichterstattung verspielt Journalismus Vertrauen.

Bitte keine KI-Bilder

Google sammelt persönliche Daten ihrer Nutzer unter anderem mit der hauseigenen Suchmaschine Google Search. Dieses Produkt erlangte dadurch traurige Berühmtheit, dass die Verantwortlichen die Qualität der Suchergebnisse absichtlich verringerten, um den Gewinn zu maximieren.

Andere Suchmaschinen versuchen hingegen, ihr Angebot laufend zu verbessern. DuckDuckGo ermöglicht Nutzern jetzt, KI-generierte Bilder aus den Suchergebnissen auszuschließen.

KI-generierte Bilder sind nicht grundsätzlich negativ negativ zu bewerten. Allerdings wollen manche Nutzer des Internets nicht ungefragt mit dem Dreck konfrontiert werden.

Apple lügt

Die EU hat mit dem Digital Markets Act (DMA) ein Regelwerk erlassen, mit dem die Rechte von EU-Bürgern und Unternehmen gegenüber BigTech gestärkt werden. Das ist dem Monopolisten Apple ein Dorn im Auge. Die Firma droht, sich aus Europa zurück zu ziehen, solange der DMA ihre enorme Gewinnmarge zu verringern droht.

Der Autor Cory Doctorow zeigt in einem Blogbeitrag auf, dass dieser Bluff leicht zu durchschauen ist.


1. Apple behauptet, der DMA wäre eine Gefahr für die Privatsphäre der EU-Bürger. Selbst wenn dies wahr wäre: In China hat Apple überhaupt kein Problem damit, den Behörden Zugriff auf die Daten seiner Nutzer zu gewähren.
2. Die Aktionäre würden niemals zulassen, dass Apple sich aus einem Markt mit 500 Millionen potenziellen Kunden zurückzieht.
3. Und selbst wenn sich Apple wirklich aus der EU zurück ziehen würde, wäre das ein wichtiger Schritt hin zur Unabhängigkeit von der US-amerikanischen IT-Infrastruktur.

Doctorow weist darauf hin, dass ein wirksamer Schutz der Privatsphäre der EU-Bürger nur durch unabhängige Regulierung gewährleistet werden kann.

Internet abschalten

Jeffrey Inscho fasst in einem Blogbeitrag kurz aber präzise das Problem mit Plattformen wie Facebook oder X zusammen.

1. Plattformen sind entgegen der eigenen Behauptungen journalistische Medien. Sie veröffentlichen zwar keine eigenen Beiträge, sie entscheiden aber, welche Beiträge Nutzer zu sehen bekommen.
2. Plattformen zeigen keine versöhnlichen und gemeinschaftsbildenden Inhalte an. Ganz im Gegenteil verstärken sie die Sichtbarkeit von polarisierenden und spaltenden Inhalten, da diese mehr Gewinn erzielen.

Niemand darf erwarten, dass die Plattformen selbst zu einer Lösung beitragen. Die einzige Lösung ist strikte Regulierung.

1. Algorithmische Transparenz: Die Unternehmen müssen offen legen, nach welchen Regeln Nutzern Inhalte gezeigt werden.
2. Algorithmische Verantwortung: Wenn eine Plattform Inhalte anzeigt, die zur Gewalt aufrufen, dann muss das dahinter stehende Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden.

Der Autor schließt mit einem radikalen Appell:

Turn off the internet. Or fix it. Those are the only choices we have left. The time for hoping these companies will self-regulate is over. The time for treating algorithmic manipulation as an inevitable part of modern life is over. We know what these systems do. We know who they hurt. The only question left is whether we’re going to do something about it.

Mit dem Chatbot in den Tod

Für die New York Times beschreibt Kashmir Hill den Weg eines jungen Mannes, der sich in Unterhaltungen mit ChatGPT verlor und dabei zunehmend vereinsamte. Am Ende unterstützte der Chatbot ihn beim Selbstmord.

Auch aus einem Beitrag von Benji Edwards für arstechnica wird ein Trend deutlich: Menschen wenden sich von der sozialen Interaktion mit anderen Menschen ab und suchen Rat und Beistand bei digitalen Produkten.

While a service like ChatwithGod operates as a „spiritual advisor,“ its conversational nature is convincing enough that users often question whether they are speaking directly with a divine being.

Diese Menschen erliegen der Wahnvorstellung, dass Chatbots Verständnis zeigen. Zudem erfahren sie scheinbare Bestätigung, denn Chatbots sind notorische Ja-Sager und Speichellecker.

Die Abwendung von anderen Menschen trägt zu einem, in vielen Gesellschaften beobachteten Trend zur Vereinsamung bei.

Dazu bedeutet der Umstand, dass Menschen den Produkten verschiedener Technologieunternehmen ihre tiefsten Geheimnisse anvertrauen, einen immensen Schaden für die Privatsphäre.