Kai-Uwe Makowski

KUBlog

Was gegen Betrug im Internet helfen würde

Bereits letztes Jahr habe ich darauf hingewiesen, dass 10% des Jahresumsatzes von Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp) durch Werbung für Betrugsmaschen macht.

Auf der re:publica 2026 zeigten Eckhard von Hirschhausen, Chan-jo Jun und Jessica Flint auf, dass die Verantwortlichen nach der aktuellen Gesetzeslage nichts zu befürchten haben.

Man stelle sich vor, eine Apotheke oder ein Supermarkt würde 10 % seines Umsatzes mit illegalen Produkten verdienen, das ist doch unvorstellbar. Warum erlaubt man das im Internet?

Die Lösung für das Problem?

Die Verantwortung muss die Seiten wechseln. Die Gesetze sollen nicht für Unternehmen und Algorithmen da sein, sondern die Gesetze müssen wieder für den Menschen da sein.

Das sogenannte Providerprivileg muss gestrichen werden. Plattformen, die Geld mit den Inhalten der Nutzer verdienen, müssen auch für Schäden haften, die durch diese Inhalte entstehen.

 

Illegale Cookie Banner

Wer liebt sie nicht, die freundlichen Cookie Banner, die uns bei jedem Webseitenaufruf mit der freundlichen Aufforderung begrüßen, auf das Grundrecht Privatsphäre zu verzichten?

Aber leider sind viele Cookie Banner auch 8 Jahre nach Einführung der DSGVO nicht rechtskonform. Die DSGVO verlangt:

  1. Das Ablehnen muss auf der selben Ebene verfügbar sein wie das Zustimmen. Die Kombination Zustimmen – Einstellungen (der Ablehnen-Button ist dann in den Einstellungen) ist nicht zulässig.
  2. Die Buttons zur Zustimmung und zur Ablehnung müssen gleichwertig gestaltet sein. Ein farblich hervorgehobener Zustimmen-Button erfordert auch einen farblich hervorgehobenen Ablehnen-Button.

 

In Österreich musste die NGO noyb gerade den Öffentlich Rechtlichen Rundfunk gerichtlich dazu zwingen, sich an die Regeln zu halten.

Übrigens: Seiten, die sich an die Vorschriften halten, sind nicht die Guten. Die sind nur die Nicht-Illegalen. Die Guten sind die, die gar kein Cookie-Banner brauchen. Weil sie die Privatsphäre ihrer Nutzer respektieren und keine Daten sammeln.

 

Das Ergebnis der Altersverifikation

Es klingt so einfach: Wenn man verhindern will, dass Kinder und Jugendliche auf nicht-altersgerechte Inhalte im Internet zugreifen, dann führt man die Altersverifikation ein.

Das funktioniert nicht.

Ein Blick rüber zu den Briten zeigt sehr deutlich, was nach der Einführung von Altersverifikation passiert.

Nutzer weichen auf „unregulierte“ Webangebote ohne Alterskontrolle aus oder nutzen ein VPN.

Was zum nächsten fehlgeleiteten Aktionismus führt: VPNs sind böse! VPNs müssen verboten werden!

Auch hierbei gilt: Das Ergebnis wird NICHT sein, dass der Zugriff auf bestimmte Webangebote für bestimmte Nutzergruppen verhindert wird. Das Ergebnis wird stattdessen weniger Anonymität und mehr Überwachung für uns alle sein.

Das ist kein Geheimnis, die verantwortlichen Politiker wissen das. Die Vermutung liegt nahe, dass die Totalüberwachung der Bevölkerung das eigentliche Ziel ist.

Mangelnde Kompetenz

In einem Beitrag auf fireborn wird detailliert das Problem fehlender digitaler Kompetenz beleuchtet.

Fast alle Menschen tragen den ganzen Tag über Hochleistungscomputer (aka Smartphones) mit sich herum, ohne zu wissen:

  • wie Apps funktionieren
  • welche Daten kontinuierlich abfließen
  • warum sie keine Kontrolle über ihr Eigentum haben
  • wie sie bei der Nutzung von digitalen Produkten manipuliert werden

 

Das ist nicht die Schuld der Smartphonenutzer. Dieser Zustände wurde absichtlich von Big Tech herbeigeführt. Geschlossene Systeme, die kaum eigene Kontrolle zulassen, sind die Grundlage für Geschäftsmodelle, durch die so viel Geld wie möglich aus den Nutzern extrahiert wird.

Ein Beispiel hierfür ist der Appstore: Apple lässt ausschließlich das Installieren von Software aus dem Appstore zu und verdient an jedem Euro 30 Cent. Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

Was diese Entwicklung mit sich bringt, ist eine unterwürfige Zustimmung zu allem, was BigTech sagt und tut. Das ist erlernte Unmündigkeit. Der Mangel an Kompetenz führt zu einem Verlust von Kontrolle und die Hersteller von Hard- und Software stehen bereit, diese Kontrolle zu übernehmen.

This is the capitulation in pure form: not just accepting the system, but optimizing your behavior around it, internalizing its logic, and experiencing the idea of opting out as exotic or impractical. The managed experience has become so normalized that the alternative — direct, unmediated access to information from sources you chose — sounds like extra work.

Was dagegen hilft? Die Durchsetzung von bestehender Regulierungen wie dem DMA und dem DSA auf europäischer Ebene wäre ein guter Anfang. Leider zeigen die Verantwortlichen in der Politik wenig Ehrgeiz, wenn es darum geht, sich mit Big Tech anzulegen.

Was bleibt ist die digitale Selbstverteidigung. Verwendet Open Source Software und vermeidet Big Tech Produkte. Erzeugt so wenig Daten wie möglich, damit diese nicht gegen euch verwendet werden können. Und nicht zuletzt: Lasst euch nicht von Social Media die Nachrichten anzeigen, die Big Tech für euch auswählt, sondern kuratiert eure Informationen selbst.

Gefühlte Vollidioten

Die Kriminalität in Deutschland ist wieder einmal zurück gegangen, wir leben in der sichersten Zeit ever.

Das hindert die Überwachungsfetischisten aus der rechten Ecke nicht daran, von einer „gefühlten Sicherheit“ zu fabulieren.

Der insgesamt starke Rückgang der polizeilich erfassten Kriminalität führt nicht dazu, dass sich Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zufrieden zeigt. In einem verbreiteten Statement verweist er stattdessen auf die „gefühlte Sicherheit“ und fordert weitere Maßnahmen wie einen „harten Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität“ sowie „konsequente Abschiebungen von Intensivtätern“ und „klare, unmissverständliche Gesetze zum Schutz unserer Polizistinnen und Polizisten“.

Schleswig-Holstein läuft vorne weg und hat sich scheinbar vorgenommen, zum ersten totalüberwachten Bundesland in Deutschland zu werden.

Die Regierung in Schleswig-Holstein will die Polizei umfassend aufrüsten. Der aktuelle Entwurf soll den Beamt*innen nahezu alle Grundrechtseingriffe erlauben, die derzeit technisch möglich und en vogue sind: Verhaltensscanner, Echtzeit-Gesichtserkennung, Internet-Gesichtersuchmaschine, Datenanalyse à la Palantir, Tracking einzelner Menschen über mehrere Kameras hinweg.

Was die totalitäre Massenüberwachung angeht müssen wir scheinbar gar nicht mehr auf die Machtergreifung durch die Faschisten warten.

Extraktion durch Dropshipping

Ich habe bereits im April darauf hingewiesen, dass wir im Zeitalter der Extraktion leben.

Joan Westenberg beleuchtet in einem Beitrag einen weiteren Aspekt der „Abzocker-Kultur“.

In den letzten Jahren gab es einen Hype um das Konzept des „Passive Income“. Die Vorstellung, dass man ein Einkommen erzielt, ohne dafür arbeiten zu müssen, scheint für viele sehr verführerisch zu sein.

Eine der Methoden, die angepriesen wurden, um ein passives Einkommen zu erzielen, war „Dropshipping“. Unter „Dropshipping“ versteht man das Geschäftsmodell, bei dem man Waren im Internet für einen hohen Preis anbietet, die im Herstellerland sehr günstig angeboten werden. Im Unterschied zu „klassischen“ Händlern kommt ein Dropshipper aber nie mit der Ware in Kontakt. Der Verkauf über die Webseite erfolgt automatisiert, versendet wird direkt aus China und für den Kundenkontakt werden vorgefertigte Textblöcke verwendet.

Die Extraktion erfolgt auf zwei Wegen:

  • Gutgläubigen Menschen werden teure Kurse verkauft, die meisten haben bestimmt schon die Werbeclips auf Youtube gesehen, bei denen „erfolgreiche“ Unternehmer garantieren, dass man mit ihrer Methode monatlich 3000 € mit nur 1 Stunde Arbeit verdienen kann.
  • Konsumenten werden mit einer Flut von „Dropshipping“-Webseiten konfrontiert, auf denen nutzloser Ramsch zu überteuerten Preisen angeboten wird.

Durch die Extraktion wird der Masse der Menschen Geld entzogen, Westenberg schreibt:

The people near the top made money. Everyone else spent months or years chasing a mirage and came out with nothing but a Shopify subscription they forgot to cancel. They thought they’d failed. They hadn’t failed. The system, every system, failed them.

Dabei entsteht kein Mehrwert. Westenberg beschreibt ebenfalls, wie nachhaltige Geschäftsmodelle funktionieren:

What actually makes money hasn’t changed. You find something people need. You get good at providing it. You charge a fair price and you keep showing up even when it’s tedious and even when you don’t want to. You build relationships over years. You build reputation over years. None of it is passive, and none of it has ever been passive! All of it revolves around giving a shit, day after day, about something specific. I don’t think anyone has ever found a way around that and I don’t think anyone will.