KUBlog
Mangelnde Kompetenz
In einem Beitrag auf fireborn wird detailliert das Problem fehlender digitaler Kompetenz beleuchtet.
Fast alle Menschen tragen den ganzen Tag über Hochleistungscomputer (aka Smartphones) mit sich herum, ohne zu wissen:
- wie Apps funktionieren
- welche Daten kontinuierlich abfließen
- warum sie keine Kontrolle über ihr Eigentum haben
- wie sie bei der Nutzung von digitalen Produkten manipuliert werden
Das ist nicht die Schuld der Smartphonenutzer. Dieser Zustände wurde absichtlich von Big Tech herbeigeführt. Geschlossene Systeme, die kaum eigene Kontrolle zulassen, sind die Grundlage für Geschäftsmodelle, durch die so viel Geld wie möglich aus den Nutzern extrahiert wird.
Ein Beispiel hierfür ist der Appstore: Apple lässt ausschließlich das Installieren von Software aus dem Appstore zu und verdient an jedem Euro 30 Cent. Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken.
Was diese Entwicklung mit sich bringt, ist eine unterwürfige Zustimmung zu allem, was BigTech sagt und tut. Das ist erlernte Unmündigkeit. Der Mangel an Kompetenz führt zu einem Verlust von Kontrolle und die Hersteller von Hard- und Software stehen bereit, diese Kontrolle zu übernehmen.
This is the capitulation in pure form: not just accepting the system, but optimizing your behavior around it, internalizing its logic, and experiencing the idea of opting out as exotic or impractical. The managed experience has become so normalized that the alternative — direct, unmediated access to information from sources you chose — sounds like extra work.
Was dagegen hilft? Die Durchsetzung von bestehender Regulierungen wie dem DMA und dem DSA auf europäischer Ebene wäre ein guter Anfang. Leider zeigen die Verantwortlichen in der Politik wenig Ehrgeiz, wenn es darum geht, sich mit Big Tech anzulegen.
Was bleibt ist die digitale Selbstverteidigung. Verwendet Open Source Software und vermeidet Big Tech Produkte. Erzeugt so wenig Daten wie möglich, damit diese nicht gegen euch verwendet werden können. Und nicht zuletzt: Lasst euch nicht von Social Media die Nachrichten anzeigen, die Big Tech für euch auswählt, sondern kuratiert eure Informationen selbst.
Gefühlte Vollidioten
Die Kriminalität in Deutschland ist wieder einmal zurück gegangen, wir leben in der sichersten Zeit ever.
Das hindert die Überwachungsfetischisten aus der rechten Ecke nicht daran, von einer „gefühlten Sicherheit“ zu fabulieren.
Der insgesamt starke Rückgang der polizeilich erfassten Kriminalität führt nicht dazu, dass sich Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) zufrieden zeigt. In einem verbreiteten Statement verweist er stattdessen auf die „gefühlte Sicherheit“ und fordert weitere Maßnahmen wie einen „harten Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität“ sowie „konsequente Abschiebungen von Intensivtätern“ und „klare, unmissverständliche Gesetze zum Schutz unserer Polizistinnen und Polizisten“.
Schleswig-Holstein läuft vorne weg und hat sich scheinbar vorgenommen, zum ersten totalüberwachten Bundesland in Deutschland zu werden.
Die Regierung in Schleswig-Holstein will die Polizei umfassend aufrüsten. Der aktuelle Entwurf soll den Beamt*innen nahezu alle Grundrechtseingriffe erlauben, die derzeit technisch möglich und en vogue sind: Verhaltensscanner, Echtzeit-Gesichtserkennung, Internet-Gesichtersuchmaschine, Datenanalyse à la Palantir, Tracking einzelner Menschen über mehrere Kameras hinweg.
Was die totalitäre Massenüberwachung angeht müssen wir scheinbar gar nicht mehr auf die Machtergreifung durch die Faschisten warten.
Extraktion durch Dropshipping
Ich habe bereits im April darauf hingewiesen, dass wir im Zeitalter der Extraktion leben.
Joan Westenberg beleuchtet in einem Beitrag einen weiteren Aspekt der „Abzocker-Kultur“.
In den letzten Jahren gab es einen Hype um das Konzept des „Passive Income“. Die Vorstellung, dass man ein Einkommen erzielt, ohne dafür arbeiten zu müssen, scheint für viele sehr verführerisch zu sein.
Eine der Methoden, die angepriesen wurden, um ein passives Einkommen zu erzielen, war „Dropshipping“. Unter „Dropshipping“ versteht man das Geschäftsmodell, bei dem man Waren im Internet für einen hohen Preis anbietet, die im Herstellerland sehr günstig angeboten werden. Im Unterschied zu „klassischen“ Händlern kommt ein Dropshipper aber nie mit der Ware in Kontakt. Der Verkauf über die Webseite erfolgt automatisiert, versendet wird direkt aus China und für den Kundenkontakt werden vorgefertigte Textblöcke verwendet.
Die Extraktion erfolgt auf zwei Wegen:
- Gutgläubigen Menschen werden teure Kurse verkauft, die meisten haben bestimmt schon die Werbeclips auf Youtube gesehen, bei denen „erfolgreiche“ Unternehmer garantieren, dass man mit ihrer Methode monatlich 3000 € mit nur 1 Stunde Arbeit verdienen kann.
- Konsumenten werden mit einer Flut von „Dropshipping“-Webseiten konfrontiert, auf denen nutzloser Ramsch zu überteuerten Preisen angeboten wird.
Durch die Extraktion wird der Masse der Menschen Geld entzogen, Westenberg schreibt:
The people near the top made money. Everyone else spent months or years chasing a mirage and came out with nothing but a Shopify subscription they forgot to cancel. They thought they’d failed. They hadn’t failed. The system, every system, failed them.
Dabei entsteht kein Mehrwert. Westenberg beschreibt ebenfalls, wie nachhaltige Geschäftsmodelle funktionieren:
What actually makes money hasn’t changed. You find something people need. You get good at providing it. You charge a fair price and you keep showing up even when it’s tedious and even when you don’t want to. You build relationships over years. You build reputation over years. None of it is passive, and none of it has ever been passive! All of it revolves around giving a shit, day after day, about something specific. I don’t think anyone has ever found a way around that and I don’t think anyone will.
Installiert keine Apps (wenn es nicht unbedingt notwendig ist)
Viele digitale Dienstleistungen, für die der Dienstleister eine App anbietet, kann man auf dem Smartphone ebenso über den Internetbrowser aufrufen. Wer seine Privatsphäre schützen will, sollte Apps nur im absoluten Ausnahmefall installieren. Die gelten nicht für Apps.
Das Problem ist folgendes: Da Browser den uneingeschränkten Zugang zum Internet ermöglichen, unterliegen sie (je nach Hersteller) sehr strengen Sicherheitsmaßnahmen. Ein Beispiel sind die Standortdaten. Wenn man zum Beispiel einer Wetterapp den Zugriff auf den Standort gewährt hat, dann kann die App durchgehend die Bewegungsdaten des Nutzers erfassen und an einen externen Server übermitteln. Das ist bei der Nutzung über den Browser nicht möglich.
Weitere Details zu den Problemen und den Unterschieden in der Datenerfassung kann man in einem Beitrag auf nooneshappy.com nachlesen.
Hier wird auch noch mal das Problem des andauernden Abschnorchelns persönlicher Daten benannt:
This data is bought, sold, and aggregated by brokers. It has been used to out individuals, track immigrants, and enable prosecution over reproductive healthcare. In multiple cases, journalists and private groups have purchased app-derived location data to identify specific people based on their movements.
Es gibt Ausnahmen für die oben genannte Regel. Für einen Großteil der alltäglichen Aufgaben gibt es (zumindest für Android-Phones) eine Reihe von qualitativ hochwertigen Open-Source-Produkten, die vollständig auf das Sammeln von Daten verzichten.
Digitale Fairness
Das Gesetz über Digitale Dienste (Digital Services Act – DSA) stärkt die Rechte von EU-Bürgern in der digitalen Sphäre. Dazu zählt auch ein Verbot von sogenannten „Dark Pattens“, damit wird das manipulative Design von digitalen Produkten zum Nachteil der Nutzer bezeichnet.
Leider weist der DSA einige Lücken auf, so konnte zum Beispiel bis heute noch nicht das sogenannte „Pay or OK“ Modell verhindert werden, bei dem Nutzer Geld bezahlen sollen, damit sie ihr Recht auf Privatsphäre geltend machen können.
Die EU plant, die Lücken des DSA mit einem weiteren Regelwerk zu schließen, dem Digital Fairness Act. Die Electronic Frontier Foundation macht Vorschläge, wie dieses Gesetz auszugestalten sei, um Wirkung zu erzielen.
At the core of digital unfairness lies the pervasive collection and use of personal data. Surveillance and profiling drive many of the harms regulators are trying to address, from dark patterns to exploitative personalization. The DFA should tackle these incentives directly by reducing reliance on surveillance-based business models. These practices are fundamentally incompatible with privacy and fairness, and they distort digital markets by rewarding data exploitation rather than quality of service. At a minimum, the DFA should address unfair profiling and surveillance advertising by strengthening privacy rights and banning pay-for-privacy schemes.
Ich nutze die Gelegenheit um ein weiteres mal auf die Forderung nach einem Verbot personalisierter Werbung hinzuweisen. Dieses Geschäftsmodell ist absolut schädlich für unsere Gesellschaft und macht nur diejenigen reich, die auf unser aller Recht auf Privatsphäre spucken.
Ein neuer Cartoon: Kronzeugen
Es ist wie es ist: „Papst“ als neue Identität im Zeugenschutzprogramm kommt nicht in Frage. Den neuen Cartoon gibt es auf Tapircartoons.de