KUBlog
Wie Google das freie Internet zerstört
Ein Beitrag auf workgpt.com weist auf die Anmeldung eines Patents durch Google hin.
Google Search zeigte früher Webseiten an, die der Suchanfrage des Nutzers mehr oder weniger entsprechen. Daran hat sich über die Jahre viel geändert, heute stehen Werbeanzeigen und KI-generierte Inhalte im Vordergrund. Aber es gibt sie noch, die Links zu den externen Seiten.
Dass die Nutzer an dieser Stelle die Möglichkeit haben, die Angebote von Google zu verlassen, scheint dem US-Monopolisten ein Dorn im Auge zu sein. Im Patent US 12,536,233 B1 stellt Google eine Methode vor, bei der Nutzer nicht mehr zu der externen Webseite, sondern zu einem KI-generierten Clone weitergeleitet werden. Nutzer werden noch weiter im Google-Ökosystem eingesperrt und externe Webseiten werden nur noch von Bots besucht, um Inhalte zu stehlen. Aufrufe durch Menschen finden nicht mehr statt, das sogenannte „freie Internet“ ist dann tot.
Was daraus folgt
Wenn man Kameras aufstellt, um Kriminelle zu identifizieren, dann werden ALLE überwacht. Das nennt man dann einen Überwachungsstaat.
Wenn man Altersverifikationen einrichtet, um Kindern den Zugang zu sozialen Medien zu erschweren, dann müssen sich ALLE identifizieren. Das ist dann das Ende des freien Internets.
Wenn man die Chatkontrolle verpflichtend macht, um das Teilen von CSAM zu verhindern, dann kann KEINER mehr privat kommunizieren. Das nennt man dann das Ende der Privatsphäre.
Bitte denkt bei jeder Forderung der Regierenden an die Folgen, die Maßnahmen für UNS ALLE bedeuten.
Das KI-Geschäftsmodell
Beim Goldrausch verdienten nur die Verkäufer von Schaufeln Geld. Ähnlich sieht es beim aktuellen KI-Hype aus: Geld verdienen nur die Hersteller von Hardware und die Betreiber von Rechenzentren. Durch den Einsatz von KI selbst verdient fast niemand Geld.
Big Tech verbrennt besonders viel Geld im Rennen um die Monopolstellung auf dem KI-Markt.
Wenig überraschend hat Alphabet (Google) mit seinem KI-Produkt Gemini gerade gute Chance, sich von den anderen abzusetzen. Sie haben das nötige Geld, stellen ihre eigene Hardware her und können ihre KI auf all den Daten trainieren, die sie über uns alle in den letzten zwei Jahrzehnten gesammelt haben.
Eine Monopolstellung ist ja schon mal eine gute Ausgangsposition für Geschäftserfolg. Aber was tun, wenn mögliche Kunden keinen Mehrwert in KI sehen und nicht bereit sind, für das Produkt Geld auszugeben? Dann zwingt man sie eben zur Nutzung, indem man KI-Funktionen tief in die Betriebssysteme integriert, ohne die all unsere schönen, elektronischen Geräte nicht funktionieren würden.
Der Werbevermarkter Google stellte kürzlich seine neuste Idee vor, wie man mit dem Einsatz von KI am Endkunden Geld verdienen kann. Weil Internetnutzer scheinbar nicht richtig onlineshoppen (zu wenig? die falschen Produkte?), können Betreiber von Webshops der Kundschaft einen „virtuellen Verkäufer“ zur Seite stellen.
Google hat dafür einen Standard (UCP = Universal Commerce Protocol) entwickelt. Wie es der Zufall wird, kann der „Verkaufsassistent“ über Google Ads dazu animiert werden, das Produkt des Meistbietenden ganz vorne im Regal einzuräumen.
As shoppers turn to AI for discovery, retailers need smarter ways to deliver value. That’s why we’re continuing to test ads in AI Mode and we’re now introducing Direct Offers. This new Google Ads pilot allows advertisers to present exclusive offers for shoppers who are ready to buy — like a special 20% off discount — directly in AI Mode.
Schöne neue Welt.
Der vollständige Kontrollverlust
Aus aktuellem Anlass erläutere ich nochmal, wie Werbung im Internet funktioniert.
Wenn ihr eine Webseite aufruft, dann werden Werbeplätze innerhalb von Millisekunden an den Meistbietenden versteigert (real-time bidding). Da bieten Hunderte von Werbetreibenden mit. Und damit die wissen, wieviel eure Aufmerksamkeit wert ist, schickt der Werbevermarkter (meist Google) eure „Profile“ an alle Mitbietenden. Inklusive all der schönen Daten, die er von euch gesammelt hat (Wohnort, Lebenspartner, sexuelle Vorlieben, you name it). Wenn ihr euch nicht davor schützt, landen eure Daten bei jedem Webseitenaufruf bei hunderten von… interessierten Parteien, die ihr nicht kennt.
Das ist der vollständige Kontrollverlust über eure Daten.
Hier nochmal im Detail:
A key vulnerability of real-time bidding is that while only one advertiser wins the auction, all participants receive data about the person who would see their ad. As a result, anyone posing as an ad buyer can access a stream of sensitive data about billions of individuals a day.
Das Internet und die mentale Gesundheit
Aktuell wird in vielen Ländern über ein Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert. Das ist eine sehr dumme Idee. Die Begründung dafür hat bereits letztes Jahr Sebastian Meineck für netzpolitik.org geliefert.
In einem Video auf YouTube vergleicht Taylor Lorenz die Sorgen der Erwachsenen mit anderen „Social Panics“ (Nein, Computerspiele machen dein Kind NICHT zu einem Amokläufer).
Das bedeutet aber nicht, dass die Nutzung von sogenannten „sozialen Medien“ unproblematisch wäre. Cora Dee gibt in einem Beitrag auf Medium einen Überblick über eine ganze Reihe von Studien zur Auswirkung von Medienkonsum auf das Gehirn.
So what exactly happens when we marinate our minds in bite-sized, algorithmically-curated content day after day? According to emerging research, the prefrontal cortex starts to feel the strain. This is our brain’s control centre for executive function, impulse restraint, and focused attention.
The term “TikTok brain” has emerged to describe this pattern: impulsivity, preference for novelty, low tolerance for delayed gratification, and difficulty maintaining attention.
Also sollten wir Kindern die Nutzung von TikTok doch verbieten? Falsche Schlussfolgerung. Besser: Warum sorgen wir nicht dafür, dass TikTok ein besserer Ort für alle wird? Könnte man da nicht ein Gesetz erlassen?
Oh, moment. So ein Gesetz gibt es ja bereits. Seit 2022 soll das Gesetz über digitale Dienst dafür sorgen, dass das Internet zumindest für EU-Bürger keine totale Shitshow ist.
Sehr große Online-Plattformen müssen strengere Verpflichtungen erfüllen, die in einem angemessenen Verhältnis zu den erheblichen gesellschaftlichen Risiken stehen, die von ihnen ausgehen, wenn sie illegale und „schädliche“ Inhalte (harmful content), einschließlich Desinformationen, verbreiten.
Fazit: Wir brauchen keine zusätzlichen Gesetze, welche die digitale Teilhabe bestimmter Bevölkerungsgruppen einschränken. Es mangelt an der Durchsetzung der bestehenden Regeln. Fangt doch bitte damit erstmal an.
Totalüberwachung durch KI
Der KI-Chatbot Gemini von Google kann als persönlicher Assistent verwendet werden.
Das Assistenzsystem Siri von Apple wird zum Beispiel in Kürze auf Basis von Gemini funktionieren.
Ein Assistenzsystem funktioniert umso besser, je mehr Informationen über den Nutzer zur Verfügung stehen. Gemini greift deswegen auf Fotos, Emails und andere persönliche Daten zu.
Das ist aber erst der Anfang. Eine neue Art von elektronischen Geräten ist darauf ausgelegt, das Leben ihrer Nutzer vollständig zu erfassen. Dazu gehören zum Beispiel smarte Brillen mit einer Vielzahl von Sensoren oder auch völlig neue Geräteklassen. Die Sammelbezeichnung für diese Geräteklasse ist Companion Tech.
Future technical systems will be companion systems, competent assistants that provide their functionality in a completely individualized way, adapting to a user’s capabilities, preferences, requirements, and current needs, and taking into account both the emotional state and the situation of the individual user.
Um die bestmögliche Assistenzleistung für einen Nutzer zu erbringen, werden diese Systeme alles aufzeichnen, abspeichern, verarbeiten und an die Hersteller senden, was passiert. Alles, was gesagt wird, was getan wird, wer es getan hat und wo es passiert ist. Das Leben wird digitalisiert, ausgewertet und verkauft.
Wem dieses Szenario als wünschenswertes Zukunftsszenario erscheint, für den habe ich gute Nachrichten: Das wird so kommen, und zwar sehr bald.
Ich persönlich möchte das nicht und werde wohl in nächster Zeit auf digitale Assistenten verzichten.